Dichterwettstreit – Poetry Slam

Alzey – Letzten Freitag um 19 Uhr, am 26. Oktober 2018, fand die dritte gemeinsame Poetry Slam Veranstaltung unserer Schule, das Aufbau- und Landeskunstgymnasium Alzey, zusammen mit dem Elisabeth-Langgässer-Gymnasium statt. Zum ersten Mal richtete diesmal das ELG den modernen Dichterwettbewerb unter dem Motto „a bigger splash“ aus.

Passend zu dem gewählten Motto finden die jungen Dichter, jeweils mehrere Schüler beider Gymnasien, sich auf der blau dekorierten Bühne wieder. Mitschüler, Freunde, Familie, Lehrer und andere Interessierte füllen den Zuschauerbereich. Luisa, eine der Slammerinnen verrät, doch ein wenig aufgeregt zu sein, gerade wenn die Familie anwesend ist und mit diesem Gefühl ist sie sicher nicht allein. Insgesamt liegt eine gewisse Nervosität in der Luft.

Zu Beginn erklärt die Moderatorin des Abends, Katharina Steimle, eine Schülerin des ELGS, wie die Bewertung ablaufen wird. Denn in diese wird das Publikum mit einbezogen: Gleichmäßig werden Punktezettel in der Menge verteilt, jeweils von 0-10 Punkten. Nach einem Vortrag entscheidet letztlich das Publikum über die Bewertung für den Slammer, indem die Zettel erkennbar hochgehalten werden, während vorne die Gesamtpunktzahl zusammengezählt wird. Ungefähr so, wie bei Shopping Queen, nur dass an diesem Abend die beste und schlechteste Bewertung ausgenommen werden.

Nach einem humorvollen als auch spontanen Start, beweist Mia Luise aus dem Landeskunstgymnasium mit ihrem gelungenen Slam, den sie für offene Kritik an Politik hinsichtlich der Flüchtlingskrise und Integration nutzt, die Themenvielfalt dieses Abends.
Der darauffolgende Slammer Marc Leon steht in Kontrast zu den vorigen zwei Vorträgen durch seine laute, intensive Darbietung, in der er von Träumen, die wahr werden spricht. Dabei nutzt er interessante Bilder wie: „weil die Liebe ein Bastard ist“ oder „ich reite doch nicht auf einem geflügeltem Gaul“, die den Zuhörer zum Nachdenken zwingen.

Das Schulleben darf natürlich auch nicht in einer von der Schule initiierten Veranstaltung fehlen. Doch in Marie Emanuels Slam geht es vielmehr um das Älterwerden mit den Worten: „Wenn du schon nicht weißt, was kommt, weißt du wenigstens, was bleibt.“, und obendrein von dem eigenen Bewusstsein. So spricht sie von dem Leben, welches sie überflute.
Wenn Marc Leons Dichtung noch nicht die eigenen Gedanken angeregt hat, dann garantiert dieser oder eben der Folgende durch Lukas Dörrhöfer. „So viele hilflose Leben scheitern am Leben.“, ist nur einer der bedeutenden Sätze, die er für seine Kritik an Welt und Gesellschaft nutzt. Außerdem bleibt einem dieser Appell im Gedächtnis: „Wer in diesen Tagen glücklich ist, muss verrückt sein.“. Und damit wird die Pause eingeläutet.

Letztlich trägt schließlich jeder Slammer etwas aus seiner eigenen Welt vor, was unweigerlich zu einem Eintauchen des Zuhörers in deren Welten führt. Aber während der Pause können die zahlreichen Gäste bei einer Brezel oder einem Kuchen ganz in ihre eigene Wahrnehmung der Dinge zurückkehren, um so über die bereits gehörten Thematiken zu diskutieren oder einfach die Gesellschaft zu genießen. Ein Zusammentreffen zweier Gymnasien läuft zudem zwangsläufig auf ein Wiedersehen von Bekanntschaften hinaus und das sorgt ausreichend für gute Laune und einen schönen Abend.

Nach der Pause ist vor der Pause, also legt David Eschenfelder gleich los, um das Selbstvertrauen anzusprechen und um den Sturm, den er auf das Papier gebracht hat, dem Publikum vorzutragen. Man hat bereits ein leichtes, gleichzeitig freies Gefühl, wenn er davon spricht im kalten Zugwind den Kopf freizukriegen und noch einfacher wird einem das Leben fallen, hört man auf die Weisheit: „Morgen, ja, da wird dir egal sein, was Menschen über dich denken.“.
Nachdem Luisa Mix „Stufenlosigkeit“ slammt, erklärt Noah in „Unsere eigene Welt“ wie der Dichter aus einem Stift einen Stift macht und wie man, „ohne Angst vor festen Formen“, letzten Endes seine eigene Welt formt.
Bei einem Milchkaffee führt Sina Fuchs  mit dem Wort „hätte“, seiner Bedeutung und dem damit verbundenen Schicksal fort. Gleichzeitig fordert sie zu mehr Tanzen, Reden und Küssen auf, dazu Träume zu leben und Wünsche in die Tat umzusetzen. Das Zusprechen von Mut im Leben ist ein nie ausgeschöpftes Thema, aus dem ein jeder lernen kann – und das im positiven Sinn.
Dass es bei Poetry Slam nicht nur um den Vortrag an sich geht, sondern der erste Schritt bereits, etwas Sinnführendes auf das Papier zu bringen ist, daran erinnert Mina Mahl mit dem Slam „Lückenhaft“. Sie nimmt das Publikum mit an ihren Schreibtisch, an welchem sie momentan versucht, Sätze zu verfassen. Allerdings verspürt sie dabei „zu viel Zwang beim Schreiben“, auch wenn das am Ende nicht das Ziel des Schreibens sein sollte.
Mit einem komplett anderen Thema führt Lisa Julie fort. Nämlich mit „Glück“. Ihr genügen „ein besonderes Lächeln“, „Stärkezeigen“, „Nichtstun“ und „Zeit für [s]ich“, um von Glück zu sprechen.
Eindeutig, wenn man nach diesem Abend kein Stückchen weit ein glücklicherer Mensch ist, hat man nicht richtig zugehört. Denn laut Lisa Julie gilt es, den Moment zu erleben, frei zu sein und nicht dem Unerreichbarem hinterherzuhinken. Schlussendlich sind es die kleinen Dinge im Leben, die unser Leben bestimmen.

Auf diese Weise neigt sich der Abend dem Ende zu und da stehen auch schon die Sieger auf der Bühne. Während Noah Eberle des Elisabeth-Langgässer-Gymnasiums den dritten Platz belegt, wird Mia Luise Grützenbach aus dem Landeskunstgymnasium für den zweiten Platz beglückwünscht. Seinen Titel verteidigen kann Lukas Dörrhöfer, der für den ersten Platz zwei Karten für einen Poetry Slam am Frankfurter Hof gewonnen hat.

Auch wenn nur drei Sieger gekürt wurden, ist doch jeder Teilnehmer ein Sieger des Abends. Die, die für das Publikum eine einerseits amüsante, aber auch lehrreiche und inspirierende Stunde geschaffen haben. Allein der Mut, seine Welt mit einer Menge zu teilen sowie trotz der spürbaren Anspannung oder Zittern mit ruhiger, gut vernehmbarer Stimme zu slammen, zählt nicht nur für diesen Abend, sondern für sein ganzes Leben.

  • Carolin Ochs

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