Vortrag: Antisemitismus im Rechtsrock

Vortrag – Antisemitismus im Rechtsrock von Dieter Burgard und Timo Büchner am 29. Januar 2020 am Staatlichen Aufbaugymnasium Alzey und am Landeskunstgymnasium Rheinland-Pfalz

Vom 28. Januar 2020  bis zum 07. Februar 2020 führte Dieter Burgard, Beauftragter der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen, zusammen mit dem Berliner Buchautor Timo Büchner, bekannt durch sein Buch „Weltbürgertum statt Vaterland – Antisemitismus im RechtsRock ”, eine Lesetour in Schulen und anderen Bildungsorten durch. Timo Büchner berichtete bei uns am 29. Januar 2020 aus seinem neuen Buch „Der Begriff ´Heimat´ in rechter Musik: Analysen – Hintergründe – Zusammenhänge” anhand von verschiedenen Beispielen von RechtsRock in Form von Ton- und Videoauschnitten. Im Anschluss diskutierten wir gemeinsam über die Themen Rechtsexremismus und Antisemitismus.

Timo Büchner leitete mit der Preisverleihung des Echos an die beiden deutschen Rapper Kollegah (alias Felix Blume) und Farid Bang (alias Farid Hamed El Abdellaoui), welche damals auf Grund von antisemitischen Inhalten in dem nominierten Song für viel Aufsehen sorgte, ein. Er zeigte ebenso die Unterschiede zwischen Deutschrap mit antisemitischen und rassistischen Inhalten, der eine recht hohe Bekanntheit hat: auf der Internetplatform YouTube werden Deutschrap-Videos um die hunderttausendmal angeklickt. RechtsRock- Musikvideos hingegen wendet sich an ein kleineres, meist männliches Publikum im rechten Spektrum.

In letzter Zeit machte der rechte Rapper Chris Ares (alias Christoph Zloch) aus der Identitären Bewegung Schlagzeilen, als er mit Komplott (alias Patrick Boss) zusammen arbeitete. Ihr Lied „Europa“ aus dem Jahre 2016 thematisiert rechte Inhalte wie nationale Identität und die Angst vor dem „Großen Austausch“ von “Volksdeutschen” durch muslimische Zuwanderer. Als Reaktion wird zur Rückeroberung (Reconquista) der deutschen Heimat, welche im Musikvideo verherrlicht wird, aufgerufen.

Als zweites Beispiel hörten wir das Lied „Gestern und Morgen“, ebenfalls von Komplott, erschienen im Jahr 2017, das auf den Vergleich zwischen den Germanen und der Identitären Bewegung anspielt. Im Lied wird von einem Genozid des deutschen Volkes durch die hohe Einwanderungsquote gesprochen, woran der “jüdische Feminismus”, der für eine geringere Geburtenrate der Deutschen sorge, Schuld habe.

Eine weitere Theorie der rechten Szene stellte uns Timo Büchner im Verweis auf die am Anfang des 20. Jahrhunderts aufgetauchten „Protokolle der Weisen von Zion“ vor. Obwohl diese bereits 1921 als Fälschung entlarvt wurden, sind sie die weitverbreitetsten und hartnäckigsten Dokumente des modernen Antisemitismus. Nicht nur in rechtsextremen Kreisen dienen sie als das Beweisdokument für das vermeintliche Streben der Juden nach der Weltherrschaft.

Am Ende des Vortrags kam es mit Blick auf antisemitische Textzeilen eines Lieds von Ufo361 (aka Ufuk Bayraktar) zu Diskussionen innerhalb der Schülergruppe. Die häufig verdeckten antisemitischen und rassistischen Botschaften fallen den meisten beim bloßen Musikhören nicht auf und eben darin besteht ihre Gefahr der unbewussten Beeinflussung. Beim abschließenden Feedback kam sowohl vom Publikum als auch von den Mitgliedern der AG Courage durchweg positive Kritik.


Text von Paula Jung. Alle Fotos wurden von der AG Courage zur Verfügung gestellt.

Folgende Links informieren weiter über das Thema RechtsRock:

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