Abschlussausstellung: Rausch

Ein halbes Jahr lang haben die Abiturientinnen und Abiturienten des Landeskunstgymnasiums für diesen einen Abend geschuftet: Bilder quer durchs Schulgebäude geschleppt, Sponsoren gesucht, Kataloge gestaltet. Als sich am Mittwochabend um 19 Uhr dann endlich die Türen des Mainzer Abgeordnetenhauses öffnen, in dem die diesjährige Abschlussausstellung zu sehen ist, sind alle aufgeregt. Dem Titel „Rausch – unter Einfluss von kUNSt“ will man gerecht werden: Die Besucherinnen und Besucher der Vernissage sollen berauscht werden – und das im Idealfall nicht nur vom kostenlosen Wein, sondern auch von den ausgestellten Werken.

Das Foyer des Abgeordnetenhauses füllt sich schnell. Bald ist von den Bildern an den Wänden vor lauter Menschen kaum noch etwas zu sehen. Nicht nur Freunde und Familie der Ausstellenden, sondern auch viele Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler der anderen Stufen und Ehemalige sind gekommen. Die Vernissage wird so gleichzeitig zum großen Wiedersehen.

„Es war eine sehr feierliche Vernissage in einem sehr offiziellen Rahmen, so dass die Werke und die Ausstellenden gebührend gefeiert wurden. Auch das Kunstgymnasium RLP als Institution hat eine zunehmend wachsende Fan-Gemeinde, insbesondere von Ehemaligen, das ist auch für uns – die „Bleibenden“ – ein gutes Gefühl.“ – S. Weigel, Künstlerische Leiterin des Landeskunstgymnasiums

Bei der Begrüßung spricht Landtagsvizepräsident Hans-Josef Bracht von der „jüngste[n] und frischeste[n] Ausstellung seit langem“ und betont, die Arbeiten würden von „Experimentierfreude […] und künstlerischer Freiheit“ zeugen. Auch Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig zeigt sich von der Abwechslung im Abgeordnetenhaus begeistert. Sie freue sich darüber, dass man an unserer Schule dem Ausstellungstitel nach mit Leidenschaft dabei sei, Unterricht würde normalerweise ja nicht unbedingt berauschen.

Genau in diesem Foyer hatte schon 2013 der allererste Abiturjahrgang des Landeskunstgymnasiums seine Werke ausgestellt. Schulleiterin Frau Ried bezeichnet den Abend deshalb als „Rückkehr zum Tatort“. Dann leiten zwei diesjährige Abiturientinnen selbst in die Ausstellung ein, bedanken sich bei den Kunstlehrerinnen Frau Weigel und Frau Dietrich sowie bei Herr Gerdon, der wie immer technisch unterstützt.

„Diese Ausstellung spiegelt drei Jahre unseres Lebens wider, in denen wir gemeinsam gewachsen sind.“ – Julia Böber, Abiturientin

Neben manchen eher klassisch abgebildeten Motiven sind in der Ausstellung viele Abstraktionen und auch einige Filme, Animationen und Performances zu sehen. Auf insgesamt fünf Bildschirmen werden die digitalen Arbeiten präsentiert, zu denen unter anderem auch Fotografien und Architekturprojekte, die in 3D-Programmen erstellt wurden, gehören. Die Bandbreite des künstlerischen Schaffens am Landeskunstgymnasium ist deutlich erkennbar. „Was wir alles gemacht haben!“, staunt auch Frau Dietrich.

Organisiert wurde die gesamte Ausstellung im Beifach Kunst unter Anleitung von Frau Weigel – in Gruppen eingeteilt lernten die Schülerinnen und Schüler so, wie man beispielsweise als Kuratorin oder Kurator Werke zusammenstellt oder für eine Ausstellung Öffentlichkeitsarbeit macht. „Mit uns war es nicht immer leicht“, gibt Leonie Zimmermann in ihrer Rede zu. Am Ende hat trotzdem alles geklappt.

Yussuf Abdelrazzak beendet den formalen Teil der Vernissage mit einem Klavierstück, dann kann die Ausstellung endlich richtig begutachtet werden. Nicht nur an den Säulen und Wänden sind Bilder aufgehängt, auch an den Geländern über den Köpfen der Besucherinnen und Besucher gibt es zwei großformatige Abstraktionen zu bewundern, mit denen der Ausstellungsraum nach oben erweitert wird. Die Besucherinnen und Besucher haben Zeit, mit den Ausstellenden ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen. Irgendwo huschen unsere Schülerzeitungsreporterinnen herum, die fleißig Instagram-Stories aufnehmen und anderen Fotografen erfolgreich die Stirn bieten.

„Man soll dann aufhören, wenn es am Schönsten ist“, hält Frau Weigel schließlich fest. Gegen halb zehn verlassen mit ihr die letzten Besucherinnen und Besucher das Gebäude. „Wie im Louvre“, kommentiert jemand die Glaspyramide im Innenhof des Abgeordnetenhauses. So ist es, wie im Louvre, nur mit experimentellen Porträts statt Mona Lisa – auf den Drucker gepresste Gesichter und Knebel statt sanftem Lächeln. Tintenkleckse anstelle von feinen Pinselstrichen. Kein Blick in die Vergangenheit, sondern einer auf die Zukunft. So schnell geht ein gelungener Abend zu Ende. Er ist förmlich an uns vorbeigerauscht.

Noch bis zum 4. März 2020 kann man die Ausstellung montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr besuchen. Nicht geöffnet am Rosenmontag und Fastnachtsdienstag.


Text von Mia Luise Grützenbach

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