Nicht jede*r kennt dieses Gefühl. Du hast die Augen eng zusammengekniffen, den Kopf nach vorne gestreckt und versuchst hoffnungslos die verschwommenen Buchstaben an Tafel oder Whiteboard zu erkennen. Doch  vergeblich… 

Der Lehrer schalten eine Folie weiter oder verwischt das Tafelbild, während du gerade mal dabei bist zu erkennen, ob das jetzt ein R ein N oder vielleicht doch ein Z in Zeile zwei seien könnte. 

Schlechte Augen plagen den ein oder anderen und entpuppen sich im Schulalltag als unerwarteter Endgegner. Er kann kaum alleine bekämpft und sicher niemals endgültig besiegt werden.

Da muss schonmal jede Note des Notenspiegels diktiert und Freund*innen als Vorleser*innen, reine Mittel zum Zweck, missbraucht werden. Das anhaltende Vorlesen im Unterricht ist peinlich, aber notwendig.

„Es begleitet einen wie das Flüstern des Windes.“

So eine stark betroffene Schülerin, die lieber anonym bleiben möchte. 

Ich selbst kann mich auch zu den unglücklichen Vertreter*innen dieses Schicksals zählen, wobei ich nicht ganz unschuldig an der Situation bin. 

So ist der Weg zum Optiker oft lästig und brauch ich diese Kontaktlinsen jetzt wirklich? 

Doch der Blick in die leere Schublade zu Hause und der unvermeidliche Kampf mit den Tafelbildern im Unterricht machen es deutlich: Ja, sie wären nötig gewesen.

Leider sieht (Im wahrsten Sinne des Wortes) die zwischenmenschliche Lage da auch nicht besser aus. Gedankenversunken schlendert man während der Pause gemütlich über den Schulhof. Warte, ist das nicht …? Man meint eine*n Freund*in entdeckt zu haben, winkt und kommt auf ihn/sie zu. Doch mit jedem Schritt werden die Gesichtszüge schärfer und einem immer mehr klar: Nein, das ist … NICHT. Fail. Der/Die vermeintliche Freund*in entpuppt sich als Unbekannte*r. Mit einer schnellen Richtungsänderung versuchst man der nicht zu rettenden, peinlichen Situation zu entkommen.

„Unangenehm“

Doch eigentlich noch viel schlimmer ist die mangelhafte Wahrnehmung der eigenen Umgebung. Schnurstracks läuft man an Bekannten vorbei, ignoriert sie unabsichtlich oder schätzt den Abstand zu einem/einer Passant*in falsch ein, sodass es zum Aufprall kommt. 

Folge: Ein arrogantes Image, was eigens der Sehschwäche zu verdanken ist. 

Zur Lächerlichkeit bei Freund*innen ist man auch schon längst geworden. Da sind Sprüche wie: „Wie viele Finger halte ich grade hoch“ langweiliger Alltag, den man über sich ergehen lassen muss. Wie eine Zielscheibe steht einem die Blindheit auf die Stirn geschrieben. Und ein unsensibler Kommentar wie: „Ohne Brille siehst du ja viel besser aus“ trifft genau ins Schwarze. Man macht es einem also nicht gerade leicht, seine tragische Situation zu akzeptieren. 

Zusätzlich verschlimmert sich die Lage erneut durch zwei, mehr oder weniger unerwartete, Faktoren. Corona und die bereits erwähnte Faulheit. Der Gegenspieler Maske sollte in jedem/jeder Brillenträger*in ein vertrautes Bild auslösen. Nämlich das des beschlagenen Brillenglases und der undefinierbaren Umgebung. Hier ist der Umstieg auf Kontaktlinsen wesentlich praktischer, doch auch dieser birgt seine Tücken. Denn ist die Kontaktlinse einmal drinnen, so kann es sein, dass sie da auch einige Zeit bleibt. Sei es aus Vergesslichkeit, Faulheit oder einfach, weil man keine anderen mehr hat. 

„Ich habe meine Kontaktlinsen seit vier Tagen drinnen und ich glaube sie fallen jeden Moment raus.“

Meint meine Mitschülerin im Vertrauen zu mir.

Ob das so gut für die Gesundheit ist? I doubt it.

Zum Schluss kann ich nur äußern, dass mein ganz persönliches Genörgel die Situation doch recht gut zusammenfasst. Was soll ich sagen, entweder man versteht’s oder eben nicht. 

Geschrieben von Lilli Heilig

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