Eine Filmreview zu „The Menu“

Seit dem 17.11. dieses Jahres ist Will Tracys und Seth Reiss‘ „The Menu“, ein Horrorfilm mit einer Priese schwarzem Humor, in den deutschen Kinos anzutreffen. Neben Ralph Fiennes (Harry Potter, The Grand Budapest Hotel) und Nicholas Hoult (Tolkien,The Current War) spielt auch Anya Taylor-Joy (The Queen‘s Gambit, Last Night in Soho) im abgekarteten Spiel des Chefkochs Julian Slowik (Ralph Fiennes) eine markante Rolle.
Dieser Künstler der Kulinarik ist bei Kritikern und Kennern der Grande Cuisine zu Bekanntheit und Respekt gelangt. Einer Ehre kommt es gleich, einem seiner Dinner beizuwohnen.
Keiner der Gäste würde jedoch vermuten, dass mit dem einfachen Betreten der Dinnerlocation, ihre Zeit bereits zu ticken beginnt.

Einzelne Worte auf die Goldwaage zu legen, während man gespannt das erste Mal seit langem wieder auf die Leinwand schaut und es kaum erwarten kann, einen Streifen zu genießen, der nicht dem immerwährend gleichen Schema F großer Franchises entspricht, ist nicht nur ein Stimmungskiller, sondern nach kurzer Zeit, wie ein enger werdender Strick um den Hals.

Es bleibt einem nach kurzer Zeit jedoch nichts anderes übrig…

Mit dem Aufbruch ins Geschehen, um genauer zu sein, auf die Insel exquisiter Cuisine, brechen die Charaktere auch das Eis und stellen den Zuschauer vor die Frage: Aus welchem Heftchen für Persönlichkeitstypen und deren spezifische Merkmale sind diese Gestalten denn gefallen?
Versteht mich nicht falsch. Ein klar inszenierter Charakter, der für nicht mehr als eine einzige Charaktereigenschaft stehen soll, ist per se nichts Verbotenes, doch werden eindimensionale Personen serviert, fällt es um so schwerer, belanglose Dialoge zu verdrängen. Wohingegen ein interessanter, mehrschichtiger Chefkoch einen Verdacht auf Tiefe in dessen Geschichte und Persönlichkeit vermuten lässt, stehen diesem diese Gestalten gegenüber. Mehr als Hüllen plagender Gesellschaftsgruppen, die durch Arroganz, Eitelkeit oder blindem Fanatismus glänzen (nur um einige zu nennen) stellen diese jedoch nicht dar.

Leider – und hiermit soll das leider deutlich betont sein – ist die Führung der Kamera und deren Wirken auf den Spannungsbogen, der Vielfalt der aufgetischten Gänge nachempfunden – so scheint es. Nicht jedoch in deren Qualität, aber in ihrer Diversität.
Von Einspielern eines Werbespots für frische Gerichte, künstlich verwackelten Verfolgungsszenen im Schnelldurchlauf, blickgetränkten Szenen, die auch dem letzten Popcorn knuspernden Zuschauer deutlich machen sollen, dass etwas im Busch sein muss, bis hin zu einem beiläufigen Kameraschwenk, der eine aufgebaute Spannung von gut 50 % des Filmes einfach abkartet.
Mit einem neuen Gericht erhält der Zuschauer dementsprechend wohl auch etwas Neues zu kauen. Über die Qualität des Einzelnen lässt sich streiten.

Denn es fühlt sich an wie gewollt, aber nicht gekonnt.
Die Ansätze kreativer Bilder sind da, die Ansätze eines Films, der mahnend den oberen Schichten mit dem Zaunpfahl winkt, ist da. Jedoch verliert sich der Film in seiner bunten Vielfalt, wie Aromen in einer überwürzten Suppe.

Das ausdrucksstarke, doch kontrollierte Spiel im Gesicht eines Ralph Fiennes konnte im Abgang jedoch nicht mehr retten, was bereits versalzen war.

Note: 3 –

Olivia Glomb